Libanesische weine aus dem Libanon weinstore winestore winzerpage Domaine Tourelles

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Beim Besuch des Weinguts fühlt man sich an längst vergangene Zeiten erinnert. Viele Relikte von früher schmücken die Wände des Kellergebäudes, irgendwie scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Alte Betontanks, eine Kelterpresse und einige heikle Verkabelungen sorgen für ein besonderes Flair. Und tatsächlich, es handelt sich auch um das älteste, von Beginn an kommerziell betriebene Weingut des Libanons. Château Ksara ist zwar älter, aber den Jesuiten war es damals nicht erlaubt, ihre Weine zu verkaufen. Gegründet wurde es 1868 von dem französischen Ingenieur Francois-Eugène Brun. Brun wurde in Chézery geboren und entstammte einer mittellosen Familie. Er verließ sein Dorf und ging nach Marseille. Dort stieg er bis zum Heeresingenieur auf. 1860 im Alter von 24 Jahren ließ er sich von einer osmanischen Firma anheuern, um beim Bau der Straße von Beirut nach Damaskus mitzuarbeiten. So ging er in den Libanon und ließ sich in dem damals kleinen Dorf Chtaura nieder. Fasziniert von der Schönheit dieses Ortes, die ihn an seine Heimat in der Region Rhône-Alpes erinnerte, entschied er dort zu bleiben und das Weingut „Domaine des Tourelles“ sowie die Hostellerie Brun (heute das Massabki Hotel) zu gründen. Brun stellte Wein, Weinessig und in der angeschlossenen Brennerei auch Arak und andere Destillate her. Schon bald darauf gewann er für seine Weine zahlreiche Medaillen bei internationalen Wettbewerben und errang ein ausgezeichnetes Ansehen. Er fühlte sich auch angespornt durch die enorme Nachfrage ausgelöst durch die französischen napolonischen Truppen, die zu der Zeit im Libanon stationiert waren.

lib4856Wie die Jahre vergingen, führten sein Sohn und später sein Enkel, Pierre Louis Brun, Weingt un Brennerei mit den alten, handwerklichen Methoden nahezu unverändert weiter. Der Enkel verstarb im Jahr 2000 kinderlos. Die angehörigen Erben lebten nicht im Libanon, sondern in Paris und Neukaledonien und die Regierung wollte das Weingut schließen. Da entschieden sich der Ingenieur Elie F. Issa und die Juristin Nayla Kanaan Issa-el-Khoury, es den Erben abzukaufen. Elie F. Issa war schon lange ein söhnlicher Freund von Pierre L. Brun, er half ihm bei der Arbeit im Weingut und bereits drei Jahre vor dem Tod seines Freundes übernahm er alle Arbeiten. Nayla Khoury ist eine Cousine von Brun’s Witwe Margot. Beiden war sehr daran gelegen, die Philosophie der Brun Familie fortzusetzen. Sie investierten 200.000 Dollar in maschinelle Ausstattung und beschäftigten zwei französische Kellermeister, einer dauerhaft und der andere zeitweise.

Seit 2009 ist Elie’s Sohn Faouzi E. Issa der Weinmacher. Zusammen mit seiner Schwester Christiane und Emilie Issa-el-Khoury leitet er die Geschicke des Familienunternehmens. Faouzi ließ sich an der AUB in Beirut zum Agraringenieur ausbilden und machte danach den Masterabschluss in Önologie in Montpellier. Praktische Erfahrungen sammelte er im Bereich Côte Rôtie bei René Rostaing und beim Château Margaux, wo er auch biodynamischen Experimenten nachging. Nach seiner Rückkehr in den Libanon führte er hier und da Neues ein, aber er ist unnachgiebig, wenn es um die Fortführung der Philosophie der Domaine geht. Er arbeitet gern mit den alten Betontanks und ist begeistert von den Hefekulturen an den Wänden und Decken des Kellers. Er vinifiziert auf traditionelle Weise mit einer minimalen Menge Schwefel und ohne Schönung oder Filterung.

Zu den Zeiten von Pierre L. Brun wurde der Roséwein des Hauses im Libanon sehr geschätzt, heute liegen die Stärken bei den Roten. Marquis des Beys und Syrah du Liban begeistern mit viel Konzentration, Struktur und Alterungspotenzial. Auch bei der Produktion von Arak hat sich wenig geändert seit Gründung de Domaine, der Arak Brun ist immer noch eine Referenz. Im Jahr 2000 betrug der Anteil von Arak bei der Produktionsmenge noch 80%, heute sind es immerhin noch rund 50%. Die eigenen Reben stehen auf 20 Hektar rund um das Gut, weitere 20 Hektar sind in der West Bekaa in der Nähe von Kefraya gepachtet. Die Jahresproduktion liegt bei 150.000 Flaschen.

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